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Das methodisch ausgereifte Fasten wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch die Ärzte Siegfried Moeller, Gustav Riedlin und Otto Buchinger begründet. Zwischen Galen im 2. Jahrhundert und den Ärzten der Neuzeit spielte das Fasten als Heilmittel hingegen so gut wie überhaupt keine Rolle - schon gar nicht bei Hildegard von Bingen.
 
Moeller und Buchinger gründeten die ersten Fastensanatorien, von Buchinger ist uns neben dem Standardwerk "Das Heilfasten" (1935) zudem die irreführende Metapher des "Entschlackens" erhalten geblieben. Eigentlich sind mit den laienhaften Begriffen Entfetten, Entsalzen, Entwässern und Entschlacken (für Entgiften, Entsorgen) aber die Minderung der Insulinresistenz und die Vermehrung der Insulinrezeptoren gemeint. Ebenso gelten strenge Diät und das Fasten heute als ideale Lipidsenker, starke Antihypertonika, verlässliche Hypoglykämika und geeignete Mittel bei Fettleber und Adipositas.
 
Bei Buchingers Methode werden über einen Zeitraum von 10 bis 40 Tagen Tees, Wasser, Säfte sowie Gemüsebrühe mit bis zu 300 Kilokalorien am Tag verabreicht. Hinzu kommen Einläufe, Bewegung, Trockenbürsten und Leberwickel. So sollen chronische Krankheiten umgestimmt werden.
 
Als Diätetiker wirkte etwa zur gleichen Zeit Franz Xaver Mayr. Er ist vor allem für seine Milch-Semmel-Kur bekannt, während das einleitende und sieben bis zehn Tage dauernde Teefasten heute nahezu vergessen ist. Mayrs Kur ist kein Fasten im eigentlichen Sinne, denn die Kalorienzufuhr ist relativ hoch. Da die luftgetrockneten Brötchen, die zusammen mit Milch oder Buttermilch verabreicht werden, aber lange gekaut werden müssen, kann so ein neues Verhältnis zum Essen vermittelt werden. Es gibt jedoch klare Kontraindikationen für diese Kur, etwa Multiple Sklerose, Tumoren, Thyreotoxikose, Bulimie, Magersucht, Colitis ulcerosa, Morbus Crohn und Schwangerschaft.
 
Zu beachten ist, dass Tradition und Wissenschaft teils parallele Entwicklungen durchliefen und ein Dialog wie zwischen Grothe und Brauchle in Dresden eher die Ausnahme blieb. Die strenge Diätetik und das Fasten wurden erst durch Herbert Krauß während seiner Zeit an der Charité (1966-72) in die universitäre Medizin eingeführt.
 
Ebenso muss zwischen dem Heilfasten, also der Fastentherapie, und dem Fasten für Gesunde differenziert werden. Letzteres ist eher über kurze Zeitspannen angelegt, erfolgt in der Regel vollkommen freiwillig und soll der Gesundheitsförderung und Erwachsenenbildung dienen. Das Heilfasten hingegen erfolgt über längere Zeiträume in einer Fastenklinik und ist eine ernsthafte medizinische Methode zur Krankenbehandlung.
 
Innerhalb der klassischen Naturheilverfahren kann das Fasten als ganzheitlicher Ansatz verstanden werden. Die Bewegung als unverzichtbares Element ist mit Wasseranwendungen oder der Phytotherapie gut kombinierbar. Ebenso hat der freiwillige Verzicht auch eine personotrope Dimension und ist somit ein psychosomatisches Verfahren. Der Mittelpunkt ärztlich-diätetischen Handelns ist das Gespräch, ob einzeln oder in der Gruppe. Kooperationen mit nichtärztlichen medizinischen Berufen (bspw. Fastenleiter, Bewegungstherapeuten und Ernährungsberater) sind selbstverständlich.
 

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