XING

Facebook

Twitter

Instagram

Die Schweizerische Medizinische Gesellschaft für Phytotherapie (SMGP) hat sich auf ihrer Jahrestagung im November 2015 eingehend mit dem Einsatz pflanzlicher Arzneimittel bei Kindern, Jugendlichen und Stillenden befasst. Dabei wurden neben den Möglichkeiten auch verschiedene Probleme angesprochen.
 
So ist die Studienlage oftmals mehr als dünn, weil klinische Studien mit Kindern unter zwölf Jahren ethisch kaum vertretbar sind. Ulrike Kastner vermutet, dass etwa die Hälfte der Verschreibungen letztendlich "Off-label use" darstellen, also Verordnungen eines zugelassenen Fertigarzneimittels außerhalb des mit der Zulassung von Arzneimittelbehörden genehmigten Gebrauchs sind. Bzgl. der Dosierung hat Beatrix Falch eine Tabelle mit den in der Schweiz zugelassenen Phytotherapeutika erstellt:
 
Folgende Bereiche wurden thematisiert:
- Allergien und Asthma - wie robust sind Kinder?
- Klinische Studien zur Anwendung pflanzlicher Arzneimittel bei Kindern - ein Überblick zur vorliegenden Literatur
- Phytotherapeutische Praxis bei Magen-Darm-Beschwerden im Kindesalter
- Keine Angst vor Fencheltee
- Arzneipflanzen in der Stillzeit - eine Bewertung
- Hau(p)tsache Kinder: Die phytotherapeutische Apotheke für die Kinderhaut
- Erkältungskrankheiten - wie viel Antibiotika brauchen wir?
- Unruhige Kinder und pflanzliche Sedativa - Erfahrungen aus der Praxis
 
So weist Andreas Schapowal darauf hin, dass bei Kindern mit Allergien oder Asthma Extrakte aus dem Purpursonnenhutkraut präventiv gegen Atemwegsinfekte eingesetzt werden können, da diese Infekte die Symptome der allergischen Rhinitis verschlechtern und häufig zu Asthmaexazerbationen führen können. Als Evidenz nennt er eine aktuelle Meta-Analyse, die hier eine Verminderung des Risikos rezidivierender Atemwegsinfekte und deren Komplikationen zeigt.
 
Für die Therapie des Asthma bronchiale nennt er Bischofskraut (Ammi visnaga), die Teepflanze (Camellia sinensis), Chinesisches Meerträubel (Ephedra sinica) sowie Anticholinergika aus der Schwarzen Tollkirsche (Atropa belladonna). Zur Behandlung von Atemwegsinfekten bei Asthma bronchiale nennt er das beliebte Efeublätter-Trockenextrakt (aus Hedera helix) und zur Therapie der allergischen Rhinokonjunktivitis ein Extrakt aus den Blättern der Pestwurz (Petasites officinalis).
 
Ulrike Kastner erwähnt bei Magen-Darm-Beschwerden im Kindesalter die traditionell eingesetzten Pflanzen Kamille, Pfefferminze und Malve. Für das frühe Säuglingsalter erwähnt sie Johannisbrotmehl zum Andicken der Milchnahrung bei gastroösophagealem Reflux (Rückfluss von Mageninhalt in die Speiseröhre). Großes Potenzial sieht sie für die Phytotherapie bei den sg. "Dreimonatskoliken" und nennt hier den Fencheltee. Auf die Diskussion zu Teezubereitungen aus Fenchelfrüchten geht Reinhard Saller in einem eigenen Artikel ein, wobei es hier in erster Linie um den Gehalt an Estragol und Methyleugenol geht.
 
Zur Therapie der infektiösen Enteritis empfiehlt Kastner traditionelle Konzepte wie getrocknete Heidelbeeren oder Karottensuppe nach Moro, deren Wirkung mittlerweile wissenschaftlich belegt ist. Bei der Karottensuppe sind es die Oligosaccharide, bei den Heidelbeeren die Anthocyanidine, die für die Wirkung bestimmend sind.
 
Für dyspeptische Magen-Darm-Beschwerden oder gastritische Schmerzen erwähnt sie eine Kombination aus dem Presssaft der Bitteren Schleifenblume mit Extrakten aus Kümmel, Süssholzwurzel, Pfefferminzblättern, Kamillenblüten, Schöllkraut, Mariendistelfrüchten und Angelikawurzel sowie bei Obstipation (Verstopfung) Leinsamen und Flohsamen. Zur Behandlung von Reizdarmsyndrom bei 5- bis 15-jährigen Kindern empfiehlt sie Pfefferminzöl.
 
Karoline Fotinos-Graf befasst sich mit der phytotherapeutischen Apotheke für die Kinderhaut und beginnt mit atopischer Dermatitis und Ekzemen, wo sie das Öl der Nachtkerze (Oenothera biennis), Herzsamen (Cardiospermum halicacabum) und Zaubernuss (Hamamelis virginiananennt) nennt.
 
Gegen Kopfläuse erwähnt sie verschiedene Öle, so Kokos-, Raps- und Sojaöl, ggf. durch Zusatz der ätherischen Öle aus Lavendel (Lavandula angustifolia) oder Eukalyptus (Eucalyptus radiata). Alternativ nennt sie das Öl aus den Samen und Blättern des Neembaums (Azadirachta indica) aufgrund des Gehalts an Azadirachtin.
 
Bei Varizella (Windpocken) werden Waschungen und Umschläge mit Gerbstoffdrogen empfohlen, explizit genannt werden Zaubernuss und Schwarztee. Bei wundgekratzten Bläschen können Cremes mit Zaubernuss oder Ringelblume eingesetzt werden und Lavendelöl, Cistrosenöl, Teebaumöl sowie Palmarosaöl können antiinfektiös und antiphlogistisch (entzündungshemmend) wirken sowie den Juckreiz lindern.
 
Für die Behandlung von Windeldermatitis oder Windelsoor nennt sie die Ringelblume, Gerbstoffdrogen wie Eichenrinde, Zaubernuss oder Schwarztee sowie die Kamille. Zusätzlich kann Lavendelöl, verdünnt in Ringelblumenöl die Beschwerden lindern.
 
Bei Verbrennungen, Sonnenbrand und Wunden ist die Auswahl relativ groß, angefangen mit der Kamille aufgrund ihrer entzündungshemmenden, wundheilungsfördernden, antibakteriellen und antimykotischen Eigenschaften. Zubereitungen mit Kamille sind auch in der Akutphase einsetzbar. Des Weiteren kommen wieder Zaubernuss, Lavendelöl und Ringelblumensalbe infrage.
 
Die einzelnen Artikel zur Veranstaltung sind in der "Schweizerischen Zeitschrift für Ganzheitsmedizin" erschienen und online frei im Volltext verfügbar:
 
Hinweis:
Die hier genannten Anwendungsgebiete beziehen sich auf die Schweiz. In der Europäischen Union und deren Einzelstaaten können andere Voraussetzungen vorliegen. Ebenso soll diese Zusammenstellung lediglich Möglichkeiten aufzeigen und allenfalls zu einer weiteren Beschäftigung mit diesen animieren. Vor unreflektierter Übernahme auf konkret vorliegende Beschwerden gerade bei Kindern ist daher zu warnen.

Letzte Änderungen