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Bei klimakterischen Beschwerden kommen in der phytotherapeutischen Differenzialtherapie u. a. Traubensilberkerze (Cimicifugawurzelstock) und Rhapontik-Rhabarberwurzelextrakt (synonym: Sibirischer Rhabarber oder Bulgarischer Rhabarber) zum Einsatz und können ggf. Östrogene oder Gestagene (Hormonersatztherapie) ersetzen. Aus Marketinggründen werden diese pflanzlichen Mittel auch als „Phytoöstrogene“ bezeichnet, treffender wäre jedoch Phyto-SERMs.

Die Traubensilberkerze wurde bereits von den Indianern in Nordamerika bei verschiedenen Frauenleiden eingesetzt, seit 1956 gibt es entsprechende Präparate auf dem Markt. In der EU hat der Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) den innerlichen Einsatz von Traubensilberkerzen-Wurzelstock zur Behandlung von Wechseljahrsbeschwerden wie Hitzewallungen und übermäßiges Schwitzen als „medizinisch allgemein anerkannt“ („well-established use“) anerkannt. Die ESCOP hat in ihrer Monographie zusätzlich noch Schlaf­störungen und nervöse Reizbarkeit aufgeführt, die Kommission E erwähnte prämenstruelle und dysmenorrhoische sowie klimakterisch bedingte neurovegetative Beschwerden. Klinische Evidenz ist durch 15 klinische Studien mit einer Laufzeit von mindestens drei Monaten mit insgesamt 10.121 Patientinnen gegeben.

Für den Rhapontik-Rhabarber (Rheum rhaponticum) liegt derzeit noch keine HMPC-Monographie vor. Es gibt bislang nur eine gemeinsame Monographie zu den Wurzeln des Medizinal-Rhabarbers (Rheum palmatum) und des Chinesischen Rhabarbers (Rheum officinale). Der Rhapontik-Rhabarber wird seit 1993 eingesetzt, es gibt vier klinische Studien mit insgesamt 403 Patientinnen. Gezeigt werden konnte eine Besserung in der Menopause Rating Scale (MRS) ohne Placebo-Effekt. Eine offene Beobachtungsstudie lief über 96 Wochen.

Wenn nichts dagegen spricht (Stichwort: Wechselwirkungen) kann auch Johanniskraut sinnvoll sein. Kontrovers diskutiert wurde in jüngerer Vergangenheit Kava-Kava-Wurzelstock (Piperis methystici rhizoma), ein Einsatz ist hier jedoch ebenfalls zu überlegen. Des Weiteren ist über die Anwendung von Rotkleeblättern nachzudenken.

Heinz Schilcher empfiehlt zwei Teerezepturen:
Frauen-Beruhigungstee
Melissae folium conc. (Melissenblätter) 30 g
Hyperici herba conc. (Johanniskraut) 30 g
Alchemillae herba conc. (Frauenmantelkraut) 20 g
Lupuli strobulus conc. (Hopfenzapfen) 10 g
Dosierung: 1 EL Teemischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. Langsam schluckweise 2 Tassen tgl. trinken.

„Haustee“ bei klimakterischen Beschwerden
Melissae folium conc. (Melissenblätter) 30 g
Anserinae herba (Gänsefingerkraut) 35 g
Crataegi folium cum flore (Weißdornblätter mit -blüten) 30 g
Rosae damascenae flos (Rosenblüten) 5 g
Dosierung: 1 TL Teemischung mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, 10 Min. ziehen lassen, abseihen. 2–3 × tgl. 1 Tasse Tee trinken.

Beer et al. nennen als Alternative:
Salbeiblätter 40 g
Frauenmantelkraut 20 g
Johanniskraut 30 g
Traubensilberkerzenwurzelstock 10 g
Dosierung: 2–3 EL auf 1 l heißes Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, über den Tag verteilt trinken.

Sowie:
Johanniskraut 20 g
Melissenblätter 20 g
Weißdornblüten 20 g
Löwenzahnwurzel mit Kraut 10 g
Frauenmantelkraut 10 g
Pomeranzenblüten 10 g
Hagebutten 10 g
Dosierung: 4 EL/Kanne, Infus 10 min., tgl. 2 × 1 Tasse, nicht länger als 6–8 Wochen anwenden.

Weitere Naturheilverfahren:
In der Ernährung kann man als allgemeine Maßnahme auf Vitamin-E-, Vitamin-D- und calciumreiche Nahrungsmittel zurückgreifen. Dies wären bspw. Nüsse, Samen, Getreidekeime, kalt gepresste Pflanzenöle und fettreduzierte Milchprodukte und so eine durchaus alleinige phytotherapeutische Therapie unterstützen. Durch eine vernünftige Ernährung kann das Krankheitsrisiko für Hypertonie, Gefäßleiden, Diabetes mellitus, Divertikulose, Osteoporose sowie für Brust- und Gebärmutterkrebs reduziert werden.
Ebenso unterstützend können sich verschiedene Entspannungsverfahren sowie eine Ordnungstherapie (bspw. sportliche Aktivitäten) auswirken, auch gegen die klimakterische Form der Osteoporose.

Beer et al. schätzen, dass etwa zwei Drittel aller klimakterischen Beschwerden sich alleine mit Naturheilverfahren behandeln lassen und dass diese beim übrigen Drittel zumindest begleitend sinnvoll sind.

Hinweis:
Diese Zusammenstellung soll lediglich Möglichkeiten aufzeigen und allenfalls zu einer weiteren Beschäftigung mit diesen animieren. Vor unreflektierter Übernahme auf konkret vorliegende Beschwerden ist daher zu warnen.

Literaturhinweise:
Schilcher et al.: "Leitfaden Phytotherapie." 3. Auflage, S. 713ff.
Beer: "Traubensilberkerze und Rhapontikrhabarber bei klimakterischen Beschwerden." MMW-Fortschr. Med. 2014; 156 (8) S. 40ff.
Beer et al.: "Leitfaden Naturheilverfahren." S. 185f.; 526ff.

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