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Die Verwendung von Schwarzkümmel (Nigella sativa) zu medizinischen Zwecken lässt sich über etwa 4.000 Jahre zurückverfolgen. Davon zeugen Funde in ägyptischen Gräbern wie bei Tutanchamun ebenso wie Erwähnungen im Alten und Neuen Testament oder im Koran. Die antiken Autoren Hippokrates, Galen und Plinius beschrieben die Pflanze, Karl der Große ließ sie auf seinen Landgütern anbauen. Auch Ibn Sina (lat. Avicenna) empfahl im frühen 11. Jahrhundert Schwarzkümmelöl in seinem "Kanon der Medizin".

Martin Luther verkürzte in seiner Bibelübersetzung auf Kümmel, was evtl. die weitere Geschichte der Pflanze maßgeblich beeinflusst hat. Denn trotz positiver Erwähnung bei den Vätern der Botanik im 16. Jahrhundert, geriet der Schwarzkümmel bei uns langsam in Vergessenheit. 1977 wurde er letztmals in Hagers Handbuch erwähnt. Eine Monographie der Kommission E, der ESCOP, der WHO oder des HMPC gibt es nicht. Schwarzkümmel ist bis dato kein zugelassenes Arzneimittel, angeboten wird es lediglich als Nahrungsergänzungsmittel wie bspw. Schwarzkümmelöl in Kapseln - mit teils haarsträubenden Heilversprechungen.

In den letzten Jahren wird der Pflanze wieder vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt, vor allem in Asien erforscht man mögliche Anwendungsgebiete. Insbesondere der Einfluss auf den Fett- und ­Glukosestoffwechsel steht dabei im Fokus. Zahlreiche klinische und präklinische Studien haben Hinweise geliefert, dass sich eine regelmäßige Einnahme günstig auf den Blutdruck, die Leberwerte sowie das Gesamt- und LDL-Cholesterin auswirkt. So verringerte sich bei Patienten mit Typ-2-Diabetes der Nüchternblutzuckerwert ebenso wie der postprandiale Blutzuckerspiegel, Insulinresistenz und die beta-Zellfunktion des Pankreas verbesserten sich. Mit einer Tagesdosis von zwei Gramm Samen (besser: Früchte) konnte begleitend zu einer Standardtherapie über ein Jahr beobachtet werden, dass die Homöostase des Blutzuckers sich bei Diabetikern signifikant verbesserte.

Beim metabolischen Syndrom, einer Kombination unterschiedlicher metabolischer Störungen wie Dyslipidämie, Bluthochdruck, Diabetes bzw. Insulin­resistenz und Übergewicht, konnte begleitend zur Standardtherapie eine signifikante Verbesserung bei den Werten für LDL, HDL und beim Nüchternblutzucker erzielt werden. Hier wurden täglich fünf Mililiter Öl verabreicht.

Bei Männern mit Stamm­fettsucht wurden nach einer dreimonatigen Studiendauer mit täglich drei Gramm Schwarzkümmelfrüchten signifikante Gewichtsreduktion und Abnahme des Hüftumfangs beobachtet, während sich der Testosteronwert und die Blutparameter kaum veränderten.

Frauen in der Menopause könnten ebenfalls von der Pflanze profitieren: Die Einnahme von täglich einem Gramm der Früchte ergab signifikante Veränderungen sowohl bei den Cholesterin- und Tri­glyzeridwerten als auch beim Nüchternblutzucker.

Etwas problematisch ist bislang die Dosisfindung des Hauptwirkstoffes Thymochinon. Dessen Gehalt unterliegt je nach Herkunft der Droge erheblichen Schwankungen. Untersuchungen mit niedrigerer Tagesdosis erzielten nicht den gewünschten Effekt, es wurden jedoch bei höherer Dosis auch keine unerwünschten Wirkungen beobachtet. So ist Schwarzkümmel begleitend zur Standardtherapie schon jetzt eine durchaus überlegenswerte Option.

Literaturhinweis:
Axel Brattström: "Schwarzkümmel (Nigella sativa L.). Ein traditionell genutztes Gesundheitsmittel mit potenziell neuen Indikationen." Zeitschrift für Phytotherapie, Ausgabe 6/2015.

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