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In Deutschland gehören Störungen des Lipoproteinstoffwechsels zu den am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen. Sie zählen zu den wesentlichen Risikofaktoren für Arteriosklerose und Herzinfarkt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Deutschland für etwa die Hälfte aller Todesfälle verantwortlich.
 
Primär gehen Dyslipoproteinämien meist auf genetisch bedingte Erkrankungen zurück, können sekundär aber auch durch Diabetes mellitus, gestörten Gallenabfluss, Niereninsuffizienz oder eine Hypothyreose (meist Unterfunktion der Schilddrüse) erworben werden. Es kommt meist zu einer erhöhten Konzentration des Cholesterins, der Triglyceride und der Lipoproteine, wobei LDL-Cholesterin das Arterioskleroserisiko steigert. Es kann jedoch auch eine Senkung von Lipidfraktionen auftreten, weshalb man heute allgemein nicht mehr von Hyperlipoproteinämie spricht, sondern von Dyslipoproteinämien.
 
Differenziert werden Dyslipoproteinämien in:
- polygene und monogene Hypercholesterinämie
- kombinierte (gemischte) Dyslipidämien
- Hypertriglyzeridämien
 
Medikamentöse und auch diätetische Maßnahmen werden nach wie vor kontrovers diskutiert, für Cholesterin- und Triglyzeridspiegel können keine allgemein gültigen Normwerte definiert werden. So ergeben sich klare Therapieoptionen oft erst mit zusätzlich vorliegenden Risikofaktoren oder Grunderkrankungen. Dennoch ist unstrittig, dass die Ernährungsweise eine entscheidende Bedeutung bei Entstehung und Therapie der Dyslipoproteinämien hat. Bei geringer Fettzufuhr und vermehrtem Verzehr von Stärkeprodukten mit hohem Ballaststoffgehalt, wie etwa in Notzeiten, spielen ischämische Herzerkrankungen kaum eine Rolle.
 
Polygene Hypercholesterinämie und die Hypertriglyzeridämie, die zusammen etwa vier Fünftel aller Fälle ausmachen, können durch diätetische Maßnahmen korrigiert werden, bei kombinierter Dyslipoproteinämie und familiärer Hypercholesterinämie muss in der Regel auch um Medikamente ergänzt werden.
 
Die Ernährungstherapie zielt darauf ab, die Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu minimieren. So gilt bspw. ein Body-Mass-Index von 25 bis max. 30 kg/m² als essenziell für weitere diätetische Maßnahmen. Eine bessere Sättigung kann etwa durch erhöhten Gehalt an Ballaststoffen und Wasser erreicht werden. Reduktion von Fett und Alkohol sind ebenso hilfreich wie eine gesteigerte körperliche Aktivität. Eine Kalorienminderung von etwa 500 Kilokalorien pro Tag ist bei einer Hypercholesterinämie und Übergewicht empfehlenswert, optimal wäre eine vegetarische Kost mit maximal zwei Eiern in der Woche, da sie ballaststoffreich ist. Bei der Hypertriglyzeridämie muss der Verzehr von Fleisch und Wurstwaren nicht ganz so drastisch gesenkt werden.
 
Fette unterscheiden sich allerdings in ihrer Wirkung und können die Serumlipidwerte sowohl positiv als auch negativ beeinflussen. Bei einer Gesamtfettaufnahme von weniger als einem Drittel der Energiezufuhr verliert der Einfluss jedoch an Bedeutung. Besonders gesättigte Fettsäuren wie Palmitinsäure und Myristinsäure, die in Palmkern- und Kokosfetten vorkommen und auch zur Härtung von Margarine eingesetzt werden, führen zu einem Anstieg des Cholesterinspiegels. Ebenso sind gesättigte Fettsäuren in versteckter Form in Produkten tierischer Herkunft enthalten, wobei Fische eine Ausnahme bilden.
 
Einfach ungesättigten Fettsäuren wird heute eine kardioprotektive Wirkung zugesprochen, weshalb sie besonders empfohlen werden. Zur Optimierung der Stoffwechsellage und als Arterioskleroseschutz kann die monoensäurereiche Kost mit bis zu 20 Prozent der Gesamtenergiezufuhr Anwendung finden. Hier kommt es lediglich zur Senkung der LDL-Fraktion, nicht aber zu einer Senkung des HDL-Spiegels. Einfach ungesättigte Fettsäuren sind vor allem in Olivenöl, aber auch Raps-, Soja- und Erdnussöl enthalten.
 
Mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie bspw. in Distelöl vorkommen, sind chemisch gesehen sehr reaktionsfreudig und bewirken daher eine ausgeprägte Senkung des Cholesterinspiegels. Sie werden jedoch auch schnell ranzig und können im Körper bei niedrigen Antioxidanzienspiegeln zu Membranschädigungen führen. Deshalb sollte ihre Zufuhr nicht mehr als ein Zehntel der Gesamtenergiezufuhr betragen. Neben Distelöl wären hier noch Maiskeim-, Soja- und Sonnenblumenöl zu nennen.
 
ω-3-Fettsäuren, die auch zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren gehören, sind wesentlicher Bestandteil von Leinsamen, Nüssen und fettreichen Kaltwasserfischen. Sie verfügen über eine Reihe protektiver Stoffwechseleffekte, wie etwa die Senkung der VLDL-Konzentration oder die Dämpfung des Triglyzeridanstiegs nach Kohlenhydratzufuhr.
 
Bei der Erhitzung mehrfach ungesättigter Fettsäuren, wie auch bei deren Hydrierung, entstehen trans-Fettsäuren, denen eine Beteiligung an arteriosklerotischen Gefäßerkrankungen zugeschrieben wird.
 
Knoblauch und Koffein werden seit längerer Zeit positive Wirkungen auf das Gefäßsystem bzw. den Cholesterinspiegel zugeschrieben, doch liegt hier jeweils noch keine eindeutige klinische Evidenz vor. Flavonoide wie Quercetin, Kämpferol und Myricetin, die u. a. in grünen und schwarzen Tees sowie Rotweinen vorkommen, daneben aber auch in Grünkohl, Broccoli, grünen Bohnen, Endivien, Zwiebeln und Knoblauch sowie Äpfeln, Kirschen, Aprikosen, Erdbeeren, Weintrauben und Johannisbeeren, verfügen über eine protektive Wirkung hinsichtlich des Herzinfarktes.
 
Besondere diätetische Empfehlungen gibt es bei Chylomikronämie, da hier akute Pankreatitis oder eruptive Xanthome zu erwarten sind. Unter ärztlicher Aufsicht kann hier über mehrere Tage eine Nulldiät Anwendung finden, mit Aufnahme von nur drei Litern kalorienfreier Flüssigkeit am Tag. Alkohol und leicht resorbierbare Kohlenhydrate, aber auch Fruchtsäfte, Limonaden und Cola, Süßigkeiten und Gebäck sollten dauerhaft möglichst komplett vermieden werden. Die Fettzufuhr muss ebenfalls reduziert werden, kann aber langfristig wieder angehoben werden.

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