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Familien und Nachbarn laden sich gegenseitig zum Fastenbrechen ein, essen, tanzen und trinken süßen Pfefferminztee. Es ist die Zeit der Geselligkeit und des Vergnügens. Oftmals bleiben die Familien bis zum nächsten Tag zusammen uns schlafen nach Männern und Frauen getrennt auf Matrazenlagern.
 
Manche der Gläubigen zieht es in den späten Abendstunden zum letzten Abendgebet, dem tarawish. Von der Moschee oder den Kaffeehäusern heimgekehrt, kann es noch eine Mitternachtsspeise geben. Wessen Magen noch voll ist, wartet gerne bis in die frühen Morgenstunden, bis die Gebetsrufe und der Rhythmus der musaharati, der Trommler, für die letzte Mahlzeit des Tages wecken. Diese wird suhur genannt und ist wie das Abendessen regional unterschiedlich.
 
Es gibt süßen Couscous mit Erbsen, Nüssen oder Rosinen mit kalter Milch, gebratene Eier, dicke Bohnen oder aufgewärmte Reste vom ifttar. Noch etwas Tee und dann kann jeder zum Morgengebet in die Moschee oder wieder zurück ins Bett bis zur üblichen Aufstehzeit.
 
Aus dem Koran, Sure2, Vers 187:
„Es ist euch erlaubt, zur Fastenzeit bei Nacht mit euren Grauen Umgang zu pflegen, sie sind für euch und ihr für die wie eine Bekleidung der Seele. Gott weiß wohl, dass ihr euch selbst betrogen habt. Und nun hat er sich euch gnädig wieder zugewandt und euch verziehen. Von jetzt ab berührt sie und geht dem nach, was Gott euch als Zugeständnis für die Nächte der Fastenzeit bestimmt hat, und esst und trinkt, bis ihr in der Morgendämmerung einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden könnt! Hierauf haltet das Fasten durch bis zur Nacht.“
 
Wie das Fasten (3. Säule, „saum“ genannt) ist auch die verpflichtende Abgabe für die Armen (4. Säule, „zakat“ genannt) einer der „Fünf Säulen des Islam“. Das Geld, das durch das Fasten im Ramadan eingespart wird, soll vollständig den Bedürftigen zukommen. Und während dieser dreißig Tage können sich die Armen am Ende eines jeden Fastentages einer ausreichenden Mahlzeit sicher sein; die Reichen haben dagegen die Gelegenheit, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang die alltägliche Qual eines knurrenden Magens nachzuempfinden.
 
Die Gesellschaftsschichten sind durch die Erfüllung der religiösen Pflichten „saum“ und „zakat“ miteinander verbunden. Zakat, als Gebot der sozialen Fürsorge verpflichtet zum gegenseitigen Respekt.
 
Das oft sehr üppige Fastenbrechen erfasst die Mediziner mit Sorge und es fehlt nicht an Ermahnungen, das allabendliche Fastenbrechen maßvoll zu gestalten, auch wenn diese „Belohnung“ vom Propheten durchaus gewollt war.
 
Der erste Kongress zum Thema „Ramadan und Gesundheit“ fand übrigens 1994 in Casablanca statt. Die Psychologen sprechen dagegen durchwegs alle von der guten Auswirkung der Fastenzeit. So werden auffällig weniger Suizide während der Ramadan begangen als in den übrigen Monaten. Der Ramadan hat einen positiven Einfluss auf das seelische Wohlbefinden.
 
Dieses Phänomen wird mit der Ausgeglichenheit durch spirituelle Kontemplation begründet, sowie mit dem gemächlicheren Tagesrhythmus und dem Gefühl des Aufgehobenseins innerhalb der Familie und der Gemeinschaft.
 
Die Glücks- und Segensformel „kull sanna wa intu ttaiybun!“, „Möge es euch das ganze Jahr gut ergehen!“ steht schließlich am Ende des Fastenmonats Ramadam.

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