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Für das Mittelalter und die gesamte weitere Entwicklung des Fastens innerhalb der christlichen Kirchen war Burchard von Worms (965-1025) von entscheidender Bedeutung.
 
Er stellte verschiedene Fastenregeln aus den Schriften der Kirchenväter und aus Konzilsbeschlüssen zusammen. Er spricht erstmals von der Abstinenz. Danach wurde die Abstinentia vor allem als Enthaltsamkeit von fleischlicher Nahrung verstanden.
 
Man begann damit, während der Fasten eine Mahlzeit am Mittag und eine kleine Stärkung am Abend zuzulassen. Der Genuss von Wein und Fisch wurde erlaubt. Zur Begründung zog man unter anderem auch Schriften des Aristoteles heran. Der Fisch galt übrigens deshalb als Fastenspeise, weil man zu dem Schluss kam, dass der Mensch für gewöhnlich das Fleisch von Säugetieren und Geflügel dem der Fische vorzöge. Eine Rolle spielte jedoch sicher auch die Tatsache, dass die Sättigung beim Verzehr von Fisch nicht so lange anhält, weil er in der Regel weniger Fett enthält als andere Fleischsorten.
 
In Zeiten des Niedergangs empfand man sogar die Einschränkung auf Fischfleisch als eine Zumutung. Deshalb wurden zeitweise Fastenspeisen auf alle vorwiegend im Wasser lebende Tiere, wie Wasservögel erweitert. Diese Missachtung der alten Fastenregeln führte dazu, dass die Adligen, insbesondere gerade die geistlichen Prälaten, sehr häufig von der Gicht geplagt wurden, weil man sich ganz vorwiegend von Fleischgerichten ernährten.
 
Ab dem 14. Jahrhundert wurde immer stärker nach Wegen gesucht, das Fasten heimlich zu durchbrechen. Fasten war ein formales Gebot, dessen Sinn von vielen nicht mehr verstanden wurde. Man „versteckte“ das Fleisch im Brotteig oder in der Maultasche.
 
Ferkel wurden auf den Namen „Karpfen“ getauft und anschließend als „Fisch“ verspeist. Wildschweine wurden in Teiche getrieben und dort eingefangen, so dass sie zu Wassertieren erklärt werden konnten.
 
Damit kam das Fasten natürlich in Verruf und die Reformatoren wie Martin Luther lehnten eine solche Praxis ab.
 
Nach der Zusammenstellung von Burchard von Worms gab es keine festen kirchlichen Regeln im weiteren Verlauf des Mittelalters und der Neuzeit mehr, die eine allgemeine Gültigkeit besaßen.
 
Der fleischlose Freitag soll übrigens folgendermaßen entstanden sein: König Edward VI. von England führte den Fischtag aus ökonomischen Erwägungen im Jahr 1548 ein. Das Fleisch war knapp und der Fischfang lag darnieder. Das Parlament erließ mit Einverständnis der Kirche von England das Gebot, das Fleisch am Freitag durch ein Fischgericht zu ersetzen. Die Katholiken übernahmen dieses Gebot in Erinnerung an das Opfer Christi an die Menschen. Ein Zuwiderhandeln galt als Todsünde. Seit Papst Johannes XXIII. ist diese Einschränkung eine freiwillige Entscheidung.
 
Eine kirchenrechtlich verbindliche Festlegung gab es erst 1917. Seit 1966 sind Aschermittwoch und Karfreitag als Fasten- und Abstinenztage in der Katholischen Kirche verbindlich. Als Fasten gilt dabei eine einmalige Sättigung am Tage, zwei kleine Stärkungen zusätzlich sind erlaubt.
 
Seit dem 20. Jahrhundert wird das individuelle Fasten wieder neu entdeckt. Romano Guardini schrieb 1943 über das Fasten:
„Der Körper wird gleichsam aufgelockert. Der Geist wird freier. Alles löst sich, wird leichter, Last und Hemmung der Schwere werden weniger empfunden. Die Grenzen der Wirklichkeit kommen in Bewegung; der Raum der Möglichkeiten wird weiter...“