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Einhörner wurden bereits in der Antike erwähnt, so etwa bei Aristoteles und auch bei Plinius. Mitunter hieß es, das Horn habe antitoxische Kräfte, weshalb man in Indien aus ihnen trinke.

In der frühchristlichen Naturlehre "Physiologus" wird beschrieben, dass Einhörner nur von Jungfrauen eingefangen werden könnten - eine Allegorie auf die Menschwerdung Gottes.

Das Werk verbreitete sich in ganz Europa und wurde in verschiedene Sprachen übersetzt. Es bildete die Basis für die zahlreichen Bestiarien des Mittelalters und beeinflusste selbst "Don Quijote" von Cervantes im frühen 17. Jahrhundert. Die ältesten lateinischen Übersetzungen, die erhalten sind, stammen aus dem 8. oder 9. Jahrhundert. Diese Überlieferung könnte Hildegard von Bingen durchaus gekannt haben.

So schreibt sie im 5. Kapitel des 7. Buches ihrer "Physica":
"Das Einhorn ist mehr warm als kalt, aber seine Stärke ist größer als seine Wärme, und es frisst reine Kräuter, und beim Gehen macht es gleichsam Sprünge, und es flieht den Menschen und die übrigen Tiere außer denen, die von seiner Art sind, und deshalb kann es nicht gefangen werden."

Weiter führt sie aus:
"Und den Mann fürchtet es besonders und weicht ihm aus, wie die Schlange beim ersten Sündenfall dem Mann auswich und auf die Frau schaute. So weicht auch dieses Tier dem Mann aus und schaut nach der Frau."

So kann man es auch fangen:
"Denn wenn das Einhorn von fern ein Mädchen sieht, wundert es sich, dass es keinen Bart hat, und wenn zwei oder drei Mädchen zusammen sind, wundert es sich umso mehr und wird umso schneller gefangen, solange es seine Augen auf sie richtet."

Einhorn als Heilmittel:
"Zerkleinere die Leber eines Einhorns und gib dieses Pulver in Fett beziehungsweise Schmalz, das aus Eidotter bereitet ist, und mach so eine Salbe. Und es gibt keinen Aussatz, welcher Art auch immer er sei, der nicht geheilt würde, wenn du ihn mit dieser Salbe einreibst, es sei denn, der Aussatz ist der Tod jenes Erkrankten oder Gott will ihn nicht heilen."

Und weiter:
"Mach aus der Haut des Einhorns einen Gürtel und gürte dich damit auf deiner Haut, und in dieser Zeit wird dich kein schlimmes Übel oder Fieber schädigen.
Mach auch Schuhe aus seinem Fell und zieh sie an, und du wirst in dieser Zeit immer gesunde Füße und gesunde Beine und gesunde Nieren haben, und kein Übel wird dich unterdessen verletzen, denn dieses Fell ist von großer Wirkkraft und Gesundheit durchdrungen."

Anschließend beschreibt Hildegard, wie man mit dem Huf eines Einhorns eine giftige Speise erkennt: Bei warmen Speisen oder Tränken mit Gift würden diese durch den Huf aufkochen, kalte hingegen würden rauchen, wenn sie Gift enthielten. Der Huf sei reiner und gesünder als der Rest des Einhorns, das Gift hätte daher Angst vor ihm:
"Denn der Huf des Einhorns ist wegen des häufigen Laufens und seiner Schnelligkeit reiner und gesünder als sein restliches Fleisch und hat deshalb eine bestimmte Kraft in sich, durch die er dem Gift solche Angst einjagt, dass es kocht und raucht."

Sie schließt mit:
"Das Übrige, was am Einhorn ist, passt nicht als Heilmittel."

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