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Heil- und Arzneipflanzen im Überblick:

Die einjährige, anspruchslose Pflanze aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae) stammt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa sowie aus Vorderasien und wird heute in vielen Ländern in Kulturen für den medizinischen Gebrauch angebaut. Die Kamille wurde geradezu zur Symbolpflanze für die Pflanzenheilkunde, wie das in einem Gedicht von Karl Heinrich Waggerl zum Ausdruck kommt:

Kamille – Matricaria recutita Die Kraft, das Weh im Leib zu stillen,
verlieh der Schöpfer den Kamillen.
Sie blühn und warten unverzagt
auf jemand, den das Bauchweh plagt.
Der Mensch jedoch in seiner Pein
glaubt nicht an das, was allgemein
zu haben ist. Er schreit nach Pillen.
Verschont mich, sagt er, mit Kamillen,
um Gotteswillen.

Die Pflanze stand schon im alten Ägypten in hohem Ansehen und wurde als Blume des Sonnengottes verehrt. Im 16. Jahrhundert schreibt der Theologe, Arzt und Botaniker Hieronymus Bock (gest. 1554) in seinem Kräuterbuch, dass die Kamille das gebräuchlichste Heilkraut überhaupt sei. Das hat sich bis heute aus gutem Grund nicht wesentlich geändert.

In der Phytotherapie werden die Blüten der Pflanze verwendet. Sie bestehen aus einem Blütenköpfchen mit gelben Röhrenblüten und einem Kranz weißer Zungenblüten. Die wichtigsten Inhaltsstoffe sind ätherisches Öl, Flavonoide (über 30 Verbindungen), Cumarine und Schleimstoffe.
In vielen pharmakologischen Experimenten, Tierversuchen und klinischen Studien haben sich nicht nur entzündungshemmende und krampflösende Wirkungen gezeigt; Kamillenblüten schützen zudem die Schleimhäute, verhindern Geschwüre und hemmen das Wachstum von verschiedenen Bakterien und Pilzen.
Entsprechend umfangreich ist das Spektrum der Anwendungen. Äußerlich wird Kamille in Form von Inhalationen, Spülungen, Bädern, Umschlägen und Auflagen bei Haut- und Schleimhautentzündungen, bakteriellen Erkrankungen der Haut, der Mundhöhle und des Zahnfleisches und bei Erkrankungen des Anal- und Genitalbereiches eingesetzt, sowie bei Entzündungen und Katarrhen im Nasen- und Rachenraum und in den Bronchien.
Innerlich werden Zubereitungen von Kamillenblüten bei krampfartigen Beschwerden im Verdauungstrakt sowie bei Magen- und Darmbeschwerden wie Gastritis, Enteritis, Colitis und Blähungen empfohlen.
Entscheidend für die verschiedenen Wirkungen ist das Zusammenspiel der unterschiedlichen Inhaltsstoffe der Kamille.

In der Erfahrungsmedizin wird Kamille auch als Beruhigungsmittel eingesetzt. Eine entsprechende Wirkung konnte im Tierversuch belegt werden.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen sind nicht bekannt, nur in ganz seltenen Fällen kann es zu allergischen Hautreaktionen kommen.

Kamillenblüten sind kein Allheilmittel, aber in der Hausapotheke sollten die getrockneten Blüten oder ein Kamillen-Konzentrat nicht fehlen.

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